Kommunikation in der öffentlichen Verwaltung: "Für alle eine Herkulesaufgabe" 

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Roman Heflik, Director Newsroom, LOOPING GROUP
04.05.2022

Die LOOPING Group holte sich nach der Stadt Köln nun auch die Stadt Münster als Kunden zum Ausbau eines Newsrooms samt Kommunikationsstrategie. Wir fragen Roman Heflik, Director Newsroom bei LOOPING, warum das Profil einer Stadtverwaltung die Organisation jedes Newsrooms zur Herausforderung macht. 

Herr Heflik, Sie haben uns im November 2021 bereits einen tieferen Einblick in die Corporate Newsrooms gegeben. Nun hat eine Stadt mitunter aber mehr Ämter als ein Unternehmen Abteilungen – was macht einen kommunalen Newsroom zu einer überzeugenden Kommunikationsorganisation?   

Für den kommunalen Newsroom gilt zunächst einmal das gleiche wie für einen Corporate Newsroom: Er ist vor allem dann stark, wenn er alle Beteiligten effektiv einbindet und alle Kommunikationsmaßnahmen orchestriert. Das sagt sich leicht, ist aber tatsächlich bei einer Stadt mit Dutzenden von Ämtern extrem komplex, denn diese Ämter bedienen eine enorme Bandbreite an Zielgruppen mit einem riesigen Umfang an Dienstleistungen, vom Stadttheater über die Polizei bis hin zu Hunderten von Kitas und Schulen. In der Wirtschaftswelt entspräche das einem Unternehmen mit einer Palette von weit mehr als 1000 Produkten. 

Für die Stadt entstehen täglich Dutzende von Kommunikations-Anlässen. Dazu kommt die Vielzahl an Protagonisten: Ratsmitglieder, Dezernent*innen, Amtsleitungen und noch einige mehr. Diese Komplexität im Blick zu behalten und dabei immer rechtzeitig alle relevanten Informationen einzusammeln, sie zu sortieren und richtig auszuspielen – das ist für das Team eines städtischen Newsrooms eine echte Herausforderung. 

Wie können die Ämter überhaupt erkennen, ob eine Information nicht nur für das eigene Amt, sondern vielleicht für die gesamte städtische Kommunikation und den Newsroom relevant ist?    

Auch das ist kein einfacher Job: Sofort zu erfassen, wann eine Information nicht nur für das eigene Amt, sondern für die ganzheitliche städtische Kommunikation und den Newsroom relevant wird. Die Beteiligten brauchen für den Austausch untereinander transparente Prozesse und Entscheidungs-Kriterien, aber auch ein gemeinsames Bewusstsein, welche Risiken und Chancen Kommunikation heute beinhaltet. Bei diesem Aufbrechen von Strukturen und deren Schärfung waren wir Partner für die Stadt Köln und unterstützen jetzt auch die Stadt Münster.  

Jeder Vorschlag zu einem neuen Bauprojekt oder einem sonstigen Eingriff in das städtische Leben muss veröffentlicht werden. Sprengt das nicht den Newsroom gleich zum Start? 

Diesen Punkt finde ich besonders spannend im Bereich Ämterkommunikation: In einer Demokratie werden administrative Überlegungen oft schon in einem frühen Stadium transparent gemacht, damit sich eine politische Debatte und Meinungsbildung entfalten kann. Bei Kommunen wie der Stadt Münster sind so jährlich Hunderte von Diskussionsvorlagen zu bearbeiten. Jede einzelne kann eine eigene Dynamik im öffentlichen Diskurs entfalten. Auf diese Dynamiken zwischen Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit gut vorbereitet zu sein und immer klar und verständlich kommunizieren zu können – das ist für alle Kommunikatoren der öffentlichen Verwaltung eine echte Herkulesaufgabe. Und die stemmt man zumindest langfristig nur mit einer klaren Kommunikationsstrategie – und einem gut vernetzten Newsroom.